Agiles Requirements Engineering – Erfolgsfaktoren für agile Methoden

Lastenhefte und Pflichtenhefte sind Ihnen zu schwerfällig und langweilig? Agilität ist das Schlagwort der Stunde! Projekte sollen schnell umgesetzt werden. Von der Erhebung der Anforderungen bis zur Umsetzung sind agile Methoden daher in aller Munde. Wir haben 6 Erfolgsfaktoren für agile Methoden im Requirements Engineering und der Implementierung von Projekten identifiziert.

Agile Methoden erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Innovative Projekte zur Digitalisierung benötigen Flexibilität in der Umsetzung aber auch in den Anforderungen. Um die Herausforderung der Agilität bei der Erhebung und Klärung von Anforderungen zu stemmen, stützen sich Projekte gerne auf die Techniken des agilen Requirements Engineering.

Was ist agiles Requirements Engineering?

Die bevorzugten agilen Methoden zum Erfassen und Verwalten der Anforderungen im Zuge eines agilen Requirements Engineering Prozesses sind:

  • Workshops
  • Die Spezifikation der Ergebnisse mittels User Stories bzw. Epics, Technical Stories etc.
  • Backlogs und Kanban-Boards zum Verwalten der Anforderungen im Zuge der Implementierung. Diese werden entweder physisch (zentrale Tafeln) oder elektronisch (in Tools wie Jira etc.) realisiert.

Die Erfolgsfaktoren für agiles Requirements Engineering

Diese Methoden sind richtig und wichtig. Ihr Einsatz führt bei vielen Projekten zu hervorragenden Ergebnissen – bei vielen anderen Projekten aber auch zu großen Problemen. Dabei sind die Standpunkte teils sehr extrem: In manchen Organisationen ist Agilität das Zauberwort schlechthin. Andere haben nach schlechten Erfahrungen die Benutzung des Wortes im Zusammenhang mit Projekten geradezu verboten.

Agilität ist nicht nur eine Technik, sondern im Zusammenhang mit Projekten und Unternehmen auch eine Managementphilosophie. Die reine Nutzung der Prozesse und Techniken ist nicht ausreichend, um erfolgreich zu sein. Nach unserer Beobachtung gibt es grundlegendere Erfolgsfaktoren.

Wolfgang Hiermann, CEO und agile Coach

Als Erfolgsfaktoren haben sich aus unserer Erfahrung in Projekten und der Beratung folgende 6 Punkte herauskristallisiert:

  • Product Leader statt Product Owner
  • Kurze Feedbackzyklen tatsächlich durchführen
  • Produktaffine Entwickler
  • Expeditionsfreudige Organisation
  • Offenheit und Transparenz
  • Entwicklung an die Brust holen

Diese Faktoren sind Puzzlesteine für den Erfolg von agilem Requirements Engineering und agilen Projekten. Im Zusammenspiel ergeben sie ein funktionierendes Ganzes, in dem agile Methoden und Techniken sinnvoll eingesetzt werden können.

Erfolgsfaktor 1: Product Leader statt Product Owner

Agilität bedeutet Flexibilität. Flexibilität wird unterstützt durch den Willen und die Möglichkeit der Stakeholder, Ziele (und hier vor allem die Nutzungsziele) zu hinterfragen, Entscheidungen anzupassen und Prioritäten zu verändern. Am allerwichtigsten ist allerdings die Begeisterung und der aktive Gestaltungswille der Stakeholder für das Produkt.

Erfolgreiche agile Projekte benötigen daher weniger einen (oftmals leider) rein administrativen Product Owner, sondern eine Gruppe an eng zusammenarbeitenden Product Leaders, die mit Weitsicht und Energie das Projekt als Stakeholder vorantreiben.

Erfolgsfaktor 2: Kurze Feedbackzyklen tatsächlich durchführen

Leider scheitern manche agile Projekte genau daran, dass die Interaktion zwischen Stakeholdern und agilem Team nach dem initialen Workshop auf ein Minimum reduziert wird. Um agile Projekte erfolgreich umzusetzen, ist es nicht genug, die Anforderungen über User Stories zu beschreiben und in Backlogs zu verwalten.

Kurze Sprints müssen tatsächlich durchgeführt werden. Am Ende eines Sprints muss ein herzeigbares Ergebnis stehen und am allerwichtigsten, die relevantesten Stakeholder der Anforderungen müssen dieses Ergebnis tatsächlich zu Gesicht bekommen, sich damit beschäftigen und gegebenenfalls Anforderungen und Ziele anpassen können.

Erfolgsfaktor 3: Produktaffine Entwickler

Die Mitarbeit der Entwickler wird leider oft aus Angst vor Goldplating vernachlässigt. Doch das Gegenteil ist der Fall: Begeisterte Entwickler wollen nichts programmieren, was niemand benutzen wird – sie wollen Benutzer erleben, die das Produkt mit Freude einsetzen und hin- und wieder mal ein ehrlich gemeintes „Danke“ für ihren Einsatz hören.

Denn agile Flexibilität in der Entwicklung ist schwierig, wenn die Entwickler keinen echten Bezug zum Ergebnis herstellen können. Eine besonders gelungene Umsetzung von Anforderungen und Technologie wird nur erreicht, wenn Entwickler vom Nutzen des Produktes überzeugt sind und die Gelegenheit haben, die Anforderungen aktiv mitzugestalten.

Erfolgsfaktor 4: Expeditionsfreudige Organisation

“Veränderungen strengen an. Durch Veränderungen ist noch nie etwas besser geworden. Wir warten einmal ab, was da auf uns zukommt, dann werden wir uns das ansehen.” – Wenn das die Lebensphilosophie der Organisation des Auftraggebers ist, dann fühlen sich die Teammitglieder eines agilen Projekts wie Außerirdische kurz nach der Landung. Das Frustpotential im Projekt ist groß.

Denn hier gilt das Prinzip: “Wer A sagt, muss auch B sagen.” Stakeholder und Organisationen, die sich für agile Vorgangsweisen nicht im vollen Umfang begeistern und einsetzen können, sollten lieber die Finger davon lassen und konservative Methoden einsetzen – damit aber auch auf die Vorteile der flexiblen Entwicklung verzichten.

Erfolgsfaktor 5: Offenheit und Transparenz

„Es ist nicht klar, warum wir diese Aufgabe so durchführen. Es wurde aber schon immer so gemacht, also muss das auch in Zukunft so sein“ – solche Aussagen haben Sie sicher schon gehört. Manchmal wird das Hinterfragen eines Vorgangs als Anmaßung oder sogar als Beleidigung empfunden. Manche Fragen dürfen nicht überall bzw. nur im richtigen Kontext gestellt werden. Und viel zu oft müssen Vorschläge abgestimmt und Entscheidungen im kleinen Kreis vorbereitet werden, bevor sie „offen“ mit allen Stakeholdern diskutiert werden können.

Hier gilt der berühmte Satz Peter Druckers: “Culture eats strategy for breakfast.” An dieser Stelle stirbt die Agilität (und die Projektdemokratie gleich mit). Effiziente Agilität benötigt offene Zusammenarbeit und gegenseitige Wertschätzung.

Erfolgsfaktor 6: Entwicklung an die Brust holen

Ja – man kann agile Entwicklung auch outsourcen. Je größer die Distanz, desto höher wird der Aufwand für die Steuerung und die Kommunikation in agilen Projekten. Die immer besser werdenden Mittel für Videokonferenzen bzw. die Livebearbeitung von Dokumenten erleichtern die Arbeit zwar enorm, sind aber kein Ersatz für echte kurze Wege.

Bei agilen Projekten wird daher Nearshoring gerne vor Offshoring eingesetzt. Die höchste Effizienz und Effektivität für agile Projekte wird allerdings dadurch erreicht, dass die Distanzen zwischen Stakeholdern und der Entwicklung so klein wie möglich gehalten werden. Onshoring agiler Projekte oder manchmal noch besser Onboarding des agilen Teams für die Projektlaufzeit sind erfolgreiche Methoden.

Fazit: Kultur und Know-how

Betrachtet man die 6 Erfolgsfaktoren, haben sie viel mit der Unternehmenskultur und dem Aufbau internen Know-hows zu tun. Um Agilität im Requirements Engineering und in Projekten anzuwenden, benötigt es Zeit sowie Wissen über agile Methoden. Die Projektbeteiligten benötigen profundes Produktwissen und ein gutes technisches Grundverständnis.

Dies in einem Team aufzubauen ist also ein wesentlicher Schritt in Richtung einer agilen Organisation. Wir von Spirit in Projects unterstützen Sie mit unserem Kursprogramm und mittels Beratungen dabei, Agilität auch in Ihrer Organisation zu verankern!


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