• Link zu LinkedIn
  • English English Englisch en
  • Deutsch Deutsch Deutsch de
AT: +43 1 714 00 20 | DE: +49 69 348763610 | Mo-Fr 8-17 Uhr
Spirit in Projects
  • Training / AKADEMIE
  • Blog
  • Innovation
  • Zertifizierungen
  • Beratung
  • Über uns
  • Jobs
  • Englisch
  • Click to open the search input field Click to open the search input field Suche
  • Menü Menü
Agilität in Projekten

Agile Projekte sind nicht schneller – und genau deshalb braucht Agilität besseres Requirements Engineering

23. Juli 2026/von Wolfgang Hiermann

Viele Unternehmen arbeiten heute nach Scrum. Trotzdem sind ihre Product Backlogs überfüllt, User Stories werden im Sprint nicht fertig und wandern regelmäßig in den nächsten Sprint. Das Team arbeitet von Sprint zu Sprint – doch der Berg offener Anforderungen wird kaum kleiner.

Die Einführung von Scrum wurde dabei häufig mit einem klaren Ziel begründet: Wir wollen schneller werden.

Genau diesen Satz höre ich seit vielen Jahren in nahezu jedem Unternehmen. Agile Methoden gelten als Synonym für Geschwindigkeit, Flexibilität und schnelle Ergebnisse.

Doch genau hier beginnt das Missverständnis.

Geschwindigkeit war nie das eigentliche Ziel

Die ursprüngliche Idee des Agilen Manifests war nicht, Projekte möglichst schnell abzuschließen.

Vielmehr sollte vermieden werden, dass Teams über Monate oder Jahre an Lösungen arbeiten, die am Ende am Bedarf des Kunden vorbeigehen.

Anstatt sämtliche Anforderungen zu Beginn vollständig festzulegen, wird schrittweise entwickelt:

  • Anforderungen werden verfeinert
  • Software wird umgesetzt
  • Nutzer geben Feedback
  • Erkenntnisse fließen in die nächste Iteration ein

Dieser Lernprozess erhöht die Wahrscheinlichkeit, das richtige Produkt zu entwickeln. Er führt jedoch zwangsläufig zu zusätzlichen Abstimmungen und Änderungen.

Agilität ersetzt also lange Planungsphasen durch kontinuierliches Lernen.

Übersichtsgrafik Agilität

Was Studien tatsächlich zeigen

Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen dieses Bild.

Eine häufig zitierte Studie von Serrador und Pinto mit über 1.000 Projekten zeigt, dass agile Projekte insbesondere bei der Kundenzufriedenheit und der Fähigkeit, auf Veränderungen zu reagieren, besser abschneiden. Ein eindeutiger Nachweis, dass agile Projekte generell schneller abgeschlossen werden, konnte hingegen nicht erbracht werden.

Auch Untersuchungen großer agiler Organisationen zeigen ein ähnliches Bild. Je größer Projekte werden, desto mehr Abstimmung, Architekturarbeit und Anforderungsmanagement werden notwendig. Mit zunehmender Projektgröße verschwinden strukturierte Prozesse also keineswegs – sie gewinnen vielmehr wieder an Bedeutung.

Der größte Irrtum: Agilität ersetzt Requirements Engineering

In vielen Unternehmen entstand in den vergangenen Jahren ein gefährlicher Denkfehler:

“Wir arbeiten agil. Deshalb brauchen wir kein klassisches Requirements Engineering mehr.”

Tatsächlich findet Requirements Engineering auch in Scrum-Projekten täglich statt.

Jede User Story muss

  • verstanden,
  • abgestimmt,
  • priorisiert,
  • beschrieben,
  • überprüft und
  • akzeptiert

werden.

Genau das ist Requirements Engineering.

Lediglich die Artefakte und der Zeitpunkt unterscheiden sich.

Statt eines großen Lasten- oder Pflichtenhefts entstehen Anforderungen kontinuierlich während des Projekts.

Der Product Owner trägt heute eine enorme Verantwortung

Mit Scrum wurde ein großer Teil der Verantwortung für Anforderungen auf den Product Owner übertragen. Doch genau hier zeigt sich häufig eine Schwäche.

Viele Product Owner verfügen über ausgezeichnetes Produktwissen und kennen ihre Stakeholder sehr gut. Die Rolle verlangt heute jedoch deutlich mehr als Priorisierung und Backlog-Pflege.

Professionelles Requirements Engineering gehört mittlerweile zu den wichtigsten Kompetenzen eines erfolgreichen Product Owners.

Was ihnen jedoch oftmals fehlt, sind Methoden des professionellen Requirements Engineering:

  • Stakeholderanalyse
  • Konfliktmanagement
  • Geschäftsprozessanalyse
  • Modellierung komplexer Abläufe
  • Definition messbarer Akzeptanzkriterien
  • Qualitätsprüfung von Anforderungen
  • Nachverfolgbarkeit (Traceability)
  • Umgang mit nicht-funktionalen Anforderungen

Diese Kompetenzen werden in Scrum häufig vorausgesetzt, aber selten systematisch aufgebaut.

ProductOwner grafische Übersicht der Stärken und Schwächen

Gute User Stories entstehen nicht zufällig

Ein häufiger Irrtum lautet: “Wir schreiben einfach User Stories.”

Doch gute User Stories sind das Ergebnis einer sorgfältigen Analyse.

Wer die eigentlichen Bedürfnisse der Anwender nicht versteht, formuliert lediglich kleinere Pakete unklarer Anforderungen.

Die Folgen sind:

  • Rückfragen während der Entwicklung
  • unterschiedliche Interpretationen
  • häufige Nacharbeiten
  • technische Schulden
  • unnötige Diskussionen in jedem Sprint

Viele Teams erleben genau das und führen die Probleme anschließend auf Scrum zurück.

Grafische Übersicht Zeitfresser

In Wahrheit fehlen häufig grundlegende Kompetenzen im Requirements Engineering.

Ein Product Backlog ersetzt keine Anforderungsanalyse. Er dokumentiert lediglich deren Ergebnis.

Agile Projekte investieren anders – nicht weniger

Klassische Projekte investieren einen größeren Teil des Aufwands zu Beginn. Agile Projekte verteilen diesen Aufwand über die gesamte Laufzeit.

Deshalb entsteht häufig der Eindruck, dass agile Projekte schneller starten. Tatsächlich wird jedoch kontinuierlich analysiert, abgestimmt und priorisiert.

Der Analyseaufwand verschwindet also nicht. In vielen Scrum-Projekten wird dieser Aufwand lediglich verschoben.

Anstatt Anforderungen vor der Entwicklung ausreichend zu analysieren, entstehen Diskussionen während des Sprints. Entwickler stellen Rückfragen, Product Owner müssen Entscheidungen kurzfristig treffen und User Stories werden erneut angepasst. Dadurch entstehen genau die Verzögerungen, die Scrum eigentlich vermeiden wollte.

Agilität braucht besseres Requirements Engineering

Gerade weil agile Projekte von kurzen Entscheidungszyklen leben, wird professionelles Requirements Engineering wichtiger denn je.

Ein Product Owner sollte deshalb nicht nur das Produkt verstehen. Er sollte auch die Methoden beherrschen, mit denen gute Anforderungen entstehen.

Dazu gehören unter anderem:

  • systematische Stakeholderanalyse
  • Moderation unterschiedlicher Interessen
  • Prozessanalyse
  • verständliche Modellierung (eventuell mit UML)
  • Formulierung überprüfbarer Anforderungen
  • Definition klarer Akzeptanzkriterien
  • Priorisierung nach Geschäftswert
  • kontinuierliche Validierung mit den Anwendern

Diese Fähigkeiten entscheiden oft darüber, ob ein agiles Team effizient arbeitet oder sich Sprint für Sprint mit Missverständnissen beschäftigt.

Grafische Gegenüberstellung Vorteile RE

Fazit

Agilität macht Projekte nicht automatisch schneller. Sie macht Veränderungen einfacher. Das ist ein entscheidender Unterschied.

Wer Agilität ausschließlich mit Geschwindigkeit verbindet, wird zwangsläufig enttäuscht werden. Wer sie hingegen als Werkzeug versteht, um Risiken zu reduzieren und schneller zu lernen, wird ihren eigentlichen Nutzen erkennen.

Professionelles Requirements Engineering hat deshalb auch in agilen Projekten keineswegs ausgedient.

Im Gegenteil:

Je agiler ein Projekt arbeitet, desto wichtiger wird die Fähigkeit, die richtigen Anforderungen zur richtigen Zeit in der richtigen Qualität bereitzustellen.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis der letzten zwanzig Jahre Agilität:

Die erfolgreichsten Scrum-Teams, die ich kenne, investieren nicht weniger Zeit in Anforderungen – sondern mehr. Der Unterschied ist lediglich, dass sie diese Requirments Engineering Aufgaben kontinuierlich und systematisch vor jedem Sprint leisten. Genau deshalb bleiben ihre Backlogs überschaubar und ihre User Stories werden innerhalb eines Sprints abgeschlossen.

Eintrag teilen
  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf X
  • Teilen auf WhatsApp
  • Teilen auf Pinterest
  • Teilen auf LinkedIn
  • Teilen auf Tumblr
  • Teilen auf Vk
  • Teilen auf Reddit
  • Per E-Mail teilen
https://spiritinprojects.com/wp-content/uploads/2026/07/agilitaet.jpg 450 800 Wolfgang Hiermann https://spiritinprojects.com/wp-content/uploads/2020/04/sip_web_padding_10px_topbot.jpg Wolfgang Hiermann2026-07-23 09:21:412026-07-23 09:21:42Agile Projekte sind nicht schneller – und genau deshalb braucht Agilität besseres Requirements Engineering

Über den Autor:

Wolfgang Hiermann - CEO von Spirit in Projects
Wolfgang Hiermann

Wolfgang Hiermann ist CEO von Spirit in Projects. Er befasst sich intensiv mit Projektmanagement und Agilität.

Kürzlich
  • Agilität in Projekten
    Agile Projekte sind nicht schneller – und genau deshalb...23. Juli 2026 - 9:21
  • Geschäftsprozesse neu überdenken
    Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist, Geschäftsprozesse...20. Juli 2026 - 12:55
  • Die wahren Kosten schlechter Anforderungen22. Juni 2026 - 14:57
  • Mann zweifelt an seinen Fehlern
    Die 10 häufigsten Fehler in IT-Ausschreibungen – und...18. Juni 2026 - 9:30
Schlagworte
Accountability Agile Methoden und Kanban AI Ausschreibungen Beratung Business Analyse Datenschutz Demandmanagement Digitalisierung Dokumentenanalyse Enterprise Architektur Ethik Förderung IIBA Innovation IREB ISTQB KI Organisationsentwicklung Organisationsstrategie PMI Portfoliomanagement Programmmanagement Projektmanagement Qualitätsmanagement Requirements Engineering Softwarearchitektur Softwareentwicklung Stakeholder Management Stakeholdermanagement Success Stories Systemarchitektur Testmanagement Training Trainings Usability Videotraining Webinar WIFI

Kontaktieren Sie uns!

Schicken Sie uns eine Nachricht per Kontaktformular.
  • Mail
  • Xing
  • Linkedin
© Copyright - Spirit in Projects - Enabling digital innovation
  • AGB
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Barrierefreiheitserklärung
  • Jobs
  • Kontakt
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen

Diese Seite verwendet ausschließlich technisch notwendige Cookies. Es werden keine Drittanbieterdienste verwendet.

Schließen

Cookie- und Datenschutzeinstellungen



Wie wir Cookies verwenden

Wir können Cookies anfordern, die auf Ihrem Gerät eingestellt werden. Wir verwenden Cookies, um uns mitzuteilen, wenn Sie unsere Websites besuchen, wie Sie mit uns interagieren, Ihre Nutzererfahrung verbessern und Ihre Beziehung zu unserer Website anpassen.

Klicken Sie auf die verschiedenen Kategorienüberschriften, um mehr zu erfahren. Sie können auch einige Ihrer Einstellungen ändern. Beachten Sie, dass das Blockieren einiger Arten von Cookies Auswirkungen auf Ihre Erfahrung auf unseren Websites und auf die Dienste haben kann, die wir anbieten können.

Notwendige Website Cookies

Diese Cookies sind unbedingt erforderlich, um Ihnen die auf unserer Webseite verfügbaren Dienste und Funktionen zur Verfügung zu stellen.

Da diese Cookies für die auf unserer Webseite verfügbaren Dienste und Funktionen unbedingt erforderlich sind, hat die Ablehnung Auswirkungen auf die Funktionsweise unserer Webseite. Sie können Cookies jederzeit blockieren oder löschen, indem Sie Ihre Browsereinstellungen ändern und das Blockieren aller Cookies auf dieser Webseite erzwingen. Sie werden jedoch immer aufgefordert, Cookies zu akzeptieren / abzulehnen, wenn Sie unsere Website erneut besuchen.

Wir respektieren es voll und ganz, wenn Sie Cookies ablehnen möchten. Um zu vermeiden, dass Sie immer wieder nach Cookies gefragt werden, erlauben Sie uns bitte, einen Cookie für Ihre Einstellungen zu speichern. Sie können sich jederzeit abmelden oder andere Cookies zulassen, um unsere Dienste vollumfänglich nutzen zu können. Wenn Sie Cookies ablehnen, werden alle gesetzten Cookies auf unserer Domain entfernt.

Wir stellen Ihnen eine Liste der von Ihrem Computer auf unserer Domain gespeicherten Cookies zur Verfügung. Aus Sicherheitsgründen können wie Ihnen keine Cookies anzeigen, die von anderen Domains gespeichert werden. Diese können Sie in den Sicherheitseinstellungen Ihres Browsers einsehen.

Andere externe Dienste

Wir nutzen auch verschiedene externe Dienste wie Google Webfonts, Google Maps und externe Videoanbieter. Da diese Anbieter möglicherweise personenbezogene Daten von Ihnen speichern, können Sie diese hier deaktivieren. Bitte beachten Sie, dass eine Deaktivierung dieser Cookies die Funktionalität und das Aussehen unserer Webseite erheblich beeinträchtigen kann. Die Änderungen werden nach einem Neuladen der Seite wirksam.

Google Webfont Einstellungen:

Google Maps Einstellungen:

Google reCaptcha Einstellungen:

Vimeo und YouTube Einstellungen:

Datenschutzrichtlinie

Sie können unsere Cookies und Datenschutzeinstellungen im Detail in unseren Datenschutzrichtlinie nachlesen.

Datenschutz
Schließen